

Als sogenannte Vorklinik bezeichnet man die ersten vier Semester des Medizinstudiums. Die Lehrinhalte der Vorklinik sollen die Studenten mit dem notwendigen Rüstzeug an medizinischem Grundwissen ausstatten, um sich im zweiten Studiumsabschnitt – der Klinik – behaupten zu können. Erst durch die so erworbene naturwissenschaftliche Basis, können komplexe Inhalte der einzelnen klinischen Fächer in den folgenden Semestern nachvollziehbar gemacht werden. Das Physikum ist die schriftliche und mündliche Abschlussprüfung der Vorklinik und beinhaltet die gesamte Stoffmenge der ersten vier Semester.
Die Vorklinik wird in erster Linie durch folgende Fächer geprägt:
Chemie, Biologie und Physik werden den meisten aus vergangenen Schulzeiten noch in mehr oder weniger guter Erinnerung sein. Der Lehrstoff ähnelt dem Stoff der gymnasialen Grundkurse und bietet abgesehen von der Physik nicht allzu viel neues.
Allerdings lauern hier auch schon die ersten Desillusionierungen: warum man als angehender Arzt den Schwänzeltanz der Bienen beherrschen sollte, ist nach wie vor – zumindest aus studentischem Blickwinkel - ungeklärt.
Chemie und Biologie sind wenig medizin-spezifisch gehalten, dafür aber gut lernbar. Die Physik stellt für einige den ersten großen Angstgegner des Studiums dar – Strahlungsphysik, elektrische Spannungen, Kaloriemeterversuche – das hatte man sich anders vorgestellt. Aber nicht verzagen, die Physik spielt Gott sei dank kaum eine Rolle im Physikum.
Die Biochemie ist wohl eines der unbeliebtesten Fächer im gesamten Medizinstudium. Das Themenspektrum und die Lehrinhalte sind abstrakt, komplex und nur schwer vermittelbar. Aber ohne ein ausreichendes Basiswissen der biochemischen Vorgänge im Körper, wird einem ein Großteil der modernen Medizin immer ein Geheimnis bleiben. Da muss man durch.
Mit der Anatomie wird es zum ersten mal "richtig medizinisch". Wie setzt sich der menschliche Körper strukturell zusammen? Wie lautet die entsprechende Nomenklatur? Welcher Nerv innerviert welchen Muskel? Wer sich für Medizin interessiert – und davon ist bei Medizinstudenten in der Vorklinik wohl auszugehen – wird im anatomischen Präparationssaal das erste mal das Gefühl haben, am richtigen Ort zu sein.
Die Physiologie erforscht die Vorgänge im lebenden Organismus, die das Leben erst ermöglichen. Auch dieses Fach übt trotz der immensen Stofffülle ein enormes Faszinationspotential aus und ist bei den Medizinstudenten durchaus beliebt und stellt den Grundstein für alles ärztliche Handeln dar. Auch die Physiologie weiß durchaus Interesse zu wecken.
Abgesehen von diesen sechs Hauptfächern gibt es noch einige kleine Fächer wie Terminologie oder Psychologie, die aber im Hinblick auf Lernaufwand und Komplexität eher eine untergeordnete Rollen spielen und niemandem Kopfzerbrechen bereiten sollten.
Die Vorklinik ist sicherlich kein Zuckerschlecken, denn früh kristallisiert sich heraus, was es bedeutet Medizin zu studieren: ein kaum zu überblickender Lernstoff und viele Prüfungenstermine. Aber einschüchtern sollte man sich nicht lassen – mit ein bisschen Engagement und Geduld bekommt man selbst den Schwänzeltanz auf die Reihe. Als Ziel winkt die Klinik, die mit nichts weniger als dem Faszinosum moderne Medizin aufwartet.