


Am 9. Februar dieses Jahres herrschte am Aachener Uniklinikum ein noch größeres Treiben als sonst: Dunkle Autos parkten reihenweise auf dem Krankenhausvorplatz, Fernsehkameras wurden im Hörsaal aufgestellt und an einigen Stellen wurden sogar Sicherheitsleute gesichtet.
Am 9. Februar dieses Jahres hielt die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt einen Vortrag über ihre Gesundheitsreform. Willkommen war jeder mit Interesse an der Gesundheitspolitik, doch besonders zog es die Aachener Medizinstudenten zu diesem Vortrag, denn schließlich betreffen diese Reformen ihre Zukunft.
Was ändert sich für sie? Was wird verbessert für die Ärzte von morgen? Das sind wohl die Fragen, die die meisten Studenten beschäftigen, als sie sich in den bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal drängten.
Doch erst mussten sie sich gut eineinhalb Stunden gedulden. In dieser Zeit erzählte Frau Schmidt von ihren „Visionen“ im Gesundheitswesen, sie redete viel über ihre Vorstellungen und Wünsche, gab aber keine konkreten Informationen, die die Studenten interessieren könnten.
Interessant wurde es bei der folgenden Fragerunde. Nun kam raus, was den Studenten wirklich am Herzen lag. So redefreudig wie die Ministerin vorher war, so kurz und ausweichend sind nun ihre Antworten. Auf die Frage, wie die Arbeitsplätze am Standort Deutschland für junge Mediziner attraktiver gemacht werden sollen, um der vermehrten Abwanderung ins Ausland entgegen zu wirken, heißt es kurz und knapp, dies sei nicht nötig. Die Arbeit in Deutschland sei genauso reizvoll wie in anderen EU-Ländern auch. Kein Wort zu den noch nicht lang beigelegten monatelangen Streiks um bessere Arbeitsbedingungen, der im europaweiten Vergleich schlechteren Bezahlung, längeren Arbeitszeit und zu dem von alten Hierarchien geprägten negativem Arbeitsklima.
Auch die nächste Antwort fällt eher unbefriedigend aus. Diesmal geht es um das Praktische Jahr am Ende des Studiums. Die Studenten arbeiten ein Jahr im Krankenhaus, und das meistens ohne einen Pfennig dafür zu bekommen. Nebenbei müssen sie sich noch auf das Hammerexamen vorbereiten, so dass auch in der Freizeit wenig Zeit für einen bezahlten Nebenjob bleibt. Ist hier eine Änderung in Sicht? Ulla Schmidt winkte kurzerhand ab. Das Praktische Jahr sei Teil der Ausbildung und daher unentgeltlich. Der Einwand, dass aber doch angehenden Juristen und Pädagogen in ihrem Referendariat, das ja bei ihnen auch Teil der Ausbildung ist, bezahlt würden, wurde gnadenlos ignoriert.
So verliessen die Studenten, wie es bei Vorlesungen oft der Fall ist, eher schockiert als informiert den Hörsaal. Es bleibt die Frage, ob es bei diesem Besuch wirklich um eine Diskussion mit angehenden Medizinern ging oder eher um einen PR-Auftritt. Sollte dies jedoch die Absicht gewesen sind, ist sie wohl gründlich verfehlt worden, denn beliebter ist die Gesundheitsministerin durch ihre Aussagen bei den Aachener Studenten bestimmt nicht geworden.