


Wir wollten genauer wissen, was es heißt ein Student in der Hauptstadt zu sein. Gibt es in der selbst ernannten tollsten Stadt Deutschlands auch die beste Ausbildung oder ist alles nur heiße Luft - wie die Sommer in diesem ehemaligen Morastgebiet.
Gibt es zum Studienbeginn etwas besonders zu beachten?
Frederik: Vorsicht beim Bücherkauf! Es gibt Professoren, die explizit Wissen abfragen, das nur in einem bestimmten Buch (meistens dem eigenen) steht. Darum: Erstmal abwarten!
Überbrückt die ersten Wochen besser mit Bibliotheksbüchern. Davon gibt es in Berlin ja ausreichend, auch wenn ihr dafür häufiger mal durch die Stadt fahren müsst. Außerdem gibt es mehrmals im Semester einen von der Fachschaft organisierten Bücherbasar, wo ihr für wirklich wenig Geld Bücher kaufen könnt.
Anderen Bedarf fürs Studium - Kittel etc. - könnt ihr entweder über die Fachschaft oder gegenüber der Uni im Buchladen kaufen.
Wie schätzt du die Uni, die Lehre und die Professoren ein?
Frederik: Die Charite ist eine anonyme Massenuni, mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Persönliche Betreuung findet hier nicht statt. Auch nach drei Semestern wage ich zu bezweifeln, dass es einem Professor auffallen würde, wenn ich plötzlich nicht mehr da wäre. Häufig hat man das Gefühl, von der Uni vollständig auf seine Matrikelnummer reduziert zu werden. Gleichzeitig kann diese Anonymität auch sehr angenehm sein. So muss man nicht mit einem Kommentar des Dozenten im nächsten Seminar rechnen, wenn man der letzten 9:15 Uhr Vorlesung doch das warme Bett vorgezogen hat.
Die Qualität der Lehre bewegt sich an der Charite wohl eher im Mittelfeld. Viele Dozenten sind in ihrer Lehrtätigkeit eher lustlos zu Gange, während die Uni in der Forschung wirklich zur Spitzenklasse zählt. Ich kann nur über die Vorklinik berichten, aber da gibt es durchaus viele Dozenten, die den Studenten nur stupides Auswendiglernen abverlangen, ohne jede Quervernetzung oder Bezug zur Praxis. Dazu kommt die ewige Rivalität zwischen den ehemaligen Instituten der FU und der HU: Man hört häufiger mal von Dozenten Kommentare wie "wir waren die beste Vorklinik - bevor die im Osten dazukamen" etc. Und zum Teil wird der Ex-Ost-West-Wettlauf leider auf dem Rücken der Studenten ausgetragen.
Wie sieht es mit der Wohnungssuche aus?
Frederik: Berlin ist immer noch günstig, besonders im Vergleich zu westdeutschen Großstädten. Man kann durchaus für 150€ ein Zimmer im Wohnheim oder in einer WG finden.
Der große Nachteil in Berlin ist jedoch, dass es zwei (bzw. vier) Universitätsstandorte gibt. Selbst in der Vorklinik, wo sich der Lehrbetrieb auf Mitte und Dahlem konzentriert, muss man damit rechnen, viel Zeit in U- und S-Bahnen zu verbringen. Egal, wo man wohnt - zu einem der beiden Standorte braucht man immer mindestens eine halbe Stunde.
Wie ist das außeruniversitäre Leben gestaltet?
Frederik: Nicht nur was das Wohnen angeht, hat man in Berlin wirklich die Qual der Wahl. Wohl keine deutsche Stadt bietet derart viel Auswahl an Ablenkungsmöglichkeiten. Das ist vielleicht schlecht für den Notenschnitt, aber dafür hatte man Spaß. Drei Millionen Einwohner und drei große Universitäten garantieren, dass wirklich für jeden noch so abgedrehten Geschmack was dabei ist. Auf der Hochschulsport-Website wird wirklich alles angeboten. Und auch kulturell entfaltet Berlin einen breiten Angebotsfächer. Unzählige Museen, viele Theater, drei große Opernhäuser... und fast überall gibt es Studentenrabatt.