


Von den rund 25.000 bis 30.000 Promotionen, die jährlich in Deutschland abgeschlossen werden, finden die meisten auch tatsächlich an medizinischen Fakultäten statt. Bei einem Großteil der Mediziner gehört der Doktortitel vor dem Namen auch einfach dazu – ohne „Dr.“ ist man doch kein richtiger Arzt. Oder...?
Kaum ein anderer akademischer Titel ist in der Bevölkerung so stark mit einer Berufsgruppe verknüpft, wie der Doktor mit dem Arzt. Eine Doktorarbeit sollte allerdings gut überlegt sein! Die fünf Ws helfen dabei die richtige Entscheidung zum Thema Doktorarbeit zu treffen.
Vorab sollten sich alle Promotionsinteressierten folgende Fragen stellen: „Warum“?
Möchte ich promovieren, weil es alle tun (immerhin mehr als zwei Drittel aller Medizinstudenten), weil der Titel einfach zum Arztberuf „dazugehört“, oder weil ich hinter der Doktorarbeit eine wirklich Herausforderung für mich und meine spätere Karriere sehen?
Fakt ist, dass eine Dissertation stets mit einem erheblichen Zeitaufwand einhergeht! Dass diese „Extrazeit“ übrigens – in den meisten Fällen – von der eh schon rar gesäten Freizeit, die einem das Medizinstudium noch lässt, abgezwackt werden muss, sollte zusätzlich in die Überlegungen mit eingebracht werden. Eine repräsentative Studie (Quelle: Weihrauch et all. / 2003) aus dem Jahre 2003 beziffert die durchschnittliche Zeit, welche eine Dissertation beansprucht, mit nahezu unglaublichen 2.000 Arbeitsstunden! Bitte bedenken!!!
Nachdem wir das „Warum“ geklärt haben und mit dem enormen Zeitaufwand leben können, stellt sich uns die Frage des „Wann“. Und hier sei gleich gesagt: Es gibt leider keinen wirklich richtigen Moment! Es nützt auch nicht, Erfahrungsberichte von anderen Studenten zu lesen und/oder zu erfragen, sondern nur das ganz eigene Bauchgefühl zu Rate zu ziehen.
Die einzige Faustregel (wenn man es so nennen möchte) ist folgende: „Je früher, desto besser!“ Sprich: Die einschlägigen Erfahrungen zeigen, dass es mit voranschreitendem Studium immer schwerer wird, einen geeigneten Einstieg in eine Dissertation zu finden oder die nötige Extrazeit aufzubringen. Nur wenige Arbeiten setzen übrigens ein fundiertes klinisches Fachwissen voraus – es spricht also nichts dagegen (eher dafür!), sich bereits im vorklinischen Abschnitt des Studiums zumindest einmal Gedanken über eine Dissertation zu machen!
Womit wir schon beim „Was“ angelangt wären. Ganz wichtig ist es, vor der Suche nach einer Doktorarbeit die eigenen Ziele klar zu definieren. Bin ich eigentlich nur einzig und alleine an dem Titel „Dr. med.“ interessiert? Erwarte ich persönliche Herausforderung oder gar Spaß von der Arbeit? Arbeite ich lieber mit Menschen (Patienten), oder alleine für mich im Labor? Bin ich an einer guten Benotung meiner Arbeit interessiert (zum Beispiel wenn ich später einmal in die Forschung möchte)? Bringt mir die Arbeit vielleicht schon etwas für mein mögliches späteres Wunsch-Fachgebiet (Chirurgie, Innere, Psychiatrie etc.)? Wie gut bin ich im Lernen, Lesen und Schreiben? Wie viel Zeit kann ich überhaupt für eine Arbeit sinnvoll einbringen? ...
Aufgrund dieser Fragen und der dazugehörigen Antworten kommen wir sehr schnell an den Punkt der drei Haupttypen der medizinischen Doktorarbeiten: der experimentellen, der klinischen oder der theoretischen Arbeit. Je nach eigener, persönlicher Einschätzung bietet sich nämlich eine dieser drei Typen mehr oder weniger an. Für genaue Definitionen der Arbeitstypen empfehlen wir weiterführende Literatur (z.B. Schaaf: „Mit Vollgas zum Doktor“) oder ein Gespräch mit einschlägig vorbelasteten Kommilitonen.
Ein ganz heikles Thema, das viel Platz für Stolperfallen bietet, ist das „Wo“; sprich: Bei welcher Stelle oder bei welcher Person finde ich eigentlich die für mich passende Doktorarbeit?
Aus eigener Erfahrung kann ich nur berichten, dass Eigeninitiative hier das A und O darstellt. Viele Institute hängen nämlich ihre besten und interessantesten freien Plätze gar nicht aus, da sie intern schon aus etlichen guten „Freiwilligen“ aussuchen können. Das bedeutet, dass viele (natürlich nicht alle!) Aushänge an den einschlägigen Plätzen in der Uni eher Arbeiten bieten, für die sich bislang niemand gefunden hat, oder die halt einfach – verkürzt und überspitzt ausgedrückt – eine unbezahlte Fleißkraft suchen, die für den Erwerb eines Doktortitels die nächsten Monate relativ stumpf einige Hundert Patientenakten durchforstet, auswertet und bearbeitet.
Mein Tipp daher: Überlegt Euch in einer ruhigen Minute, welches Fach oder welches Spezialgebiet Euch am meisten interessiert und während des Uni-Alltags begeistert. Danach überlegt Ihr Euch, welcher Professor oder Dozent Euch in diesem Fach bisher am meisten angesprochen hat oder Euch den Stoff am überzeugendsten und motiviertesten rüberbringen konnte. Und diesen sprecht Ihr einfach auf das Thema Doktorarbeit unter seiner Leitung an. Ihr werdet sehen, dass Ihr in 99,9% der Fälle auf offene Ohren und glückliche Gesichert stoßt, wenn der Betreffende merkt, dass Ihr Euch für Ihn (besser: seinen Fachbereich) interessiert! Einfach ausprobieren!
Das längste, und an anderer Stelle bestimmt ausführlicher beschriebene Thema des „Wie“ möchte ich hier nur ganz kurz anschneiden.
Ihr werdet mit Sicherheit – falls Ihr denn einen geeigneten Doktorvater samt interessantem Thema gefunden habt – vor Beginn der Arbeit eine Art Proseminar besuchen müssen, welches Euch in die Geheimnisse der Dissertation einweiht. Hierbei handelt es sich nämlich nicht (wer hätte es auch anders vermutet?!) um einen Schulaufsatz mit Einleitung, Hauptteil und Schluss, sondern um ein Schriftwerk, das in Form, Aufbau und Darbietung eine ganze Latte von Vorgaben und Normen zu erfüllen hat. Macht Euch also auch immer mal wieder anhand von anderen (guten) Dissertationen fit für die eigene Arbeit. Solche findet Ihr zuhauf in der Unibibliothek. Aber hier gilt ganz streng: Ja nichts abschreiben oder klauen! Das gibt Ärger!!!
Des weiteren solltet Ihr Euch gleich zu Beginn der Doktorarbeit bei der zuständigen Stelle an Eurer Universität „registrieren“ lassen. Dies geht in den meisten Fällen anhand eines Dokumentes, auf welchem Euer Name, Eure Matrikelnummer, der Name Eures Doktorvaters, Euer Thema und eine Bestätigung aufgeführt ist, dass Ihr auch wirklich gut und sicher betreut werdet. Es ist nämlich kein Einzelfall, dass sich ein/e Doktorand/in zum Teil jahrelang mit einem Thema abgemüht hat, und plötzlich feststellen musste, dass sein/ihr Doktorvater seit einem Vierteljahr bereits an der Uni in Kapstadt doziert. Wenn man dann keine rechtlich abgesicherten Papiere in der Hand hat, die eine weitere Betreuung gewährleisten (notfalls durch einen lehrstuhlinternen Kollegen), kann es durchaus vorkommen, dass das Thema – und damit die ganze Arbeit – einfach futsch ist! Informiert Euch also bitte rechtzeitig, wo und wie Ihr Euch Eure Stelle als Doktorand bestätigen lassen könnt!
Jetzt bleibt mir nur noch, Euch viel Erfolg und Spaß mit Eurer Doktorarbeit zu wünschen! Hoffentlich konntet Ihr die kleinen Tipps ein wenig verwenden, um Stolperfallen zu umgehen und eine Arbeit „nach Maß“ für Euch zu finden!?! Über Euer Feedback würde ich mich jedenfalls sehr freuen!
