• Home
  • Suche
  • Kontakt
campus.doccheck.com
Die volle Dosis Medizinstudium!
Login

Allgemeine Informationen zum Praktischen Jahr (PJ)

Jetzt wird's Praktisch!

Das Praktische Jahr ist der letzte und vielleicht wichtigste Ausbildungsabschnitt auf dem Weg zur Approbation. Nachdem man sich 10 Semester lang durch oftmals staubige Theorie durchgewühlt hat, ist es nun an der Zeit, das erlernte Wissen an den Mann, bzw. den Patienten zu bringen.

Das Praktische Jahr (PJ)

Das PJ ist in drei Tertiale mit jeweils 16 Wochen gegliedert, die an der Heimat-Universität, einem angeschlossenen Lehrkrankenhaus – oder auf Eigeninitiative auch im Ausland oder einer anderen inländischen Universität absolviert werden können. Jeweils ein Tertial sind verpflichtend mit der Inneren Medizin und der Chirurgie zu belegen, das dritte Tertial, das sogenannte "Wahltertial", wird nach eigenem Gusto gewählt – hierfür kann aus sämtlichen klinischen Fächern, angefangen bei der  Mikrobiologie, über die Pädiatrie bis zur Neurochirurgie, frei gewählt werden.
Ziel des PJs ist die Vorbereitung der Studenten auf die selbständige ärztliche Tätigkeit, sowie die Vertiefung und Ausübung des bis dato erlernten Wissens. Gemäß des jeweiligen Ausbildungsstandes, soll der PJler zu entsprechenden Tätigkeiten herangezogen werden und unter ärztlicher Aufsicht, Eigenverantwortung für sein medizinisches Handeln übernehmen.

Qual der Wahl

Die erste und vielleicht wichtigste Entscheidung, die der Student zu treffen hat, ist die Wahl des persönlichen Wahlfaches. Grundsätzlich sollte man natürlich das Fachgebiet wählen, welches einem am besten liegt und für das man das meiste Interesse mitbringt. Wer bereits auf Innere Medizin oder Chirurgie festgelegt ist, ist wahrscheinlich gut damit beraten, ein Fach wie Anästhesie oder Kinderheilkunde zu wählen, welches in allen Disziplinen immer wieder präsent sein wird. Um näheres zum angestrebten Fach zu erfahren, ist es meist hilfreich, aktuelle PJler um einige Infos zu bitten – dadurch bekommt man oftmals rasch einen Einblick aus gleicher Augenhöhe und läuft nicht Gefahr, am ersten PJ-Tag desillusioniert zu werden.

Am Anfang kam die Bürokratie

Vor den Beginn des Praktischen Jahres hat die Studienordnung die schriftliche Bewerbung gesetzt. Über die jeweiligen Bewerbungsfristen erhält man Prüfungsamt und im medizinischen Dekanat genaue Auskunft und entsprechende Vordrucke. Vorraussetzung für eine Bewerbung ist für Alt AO'ler die Absolvierung des zweiten Staatsexamens und für Neu AO'ler der Erwerb sämtlicher klinisch-geforderter Leistungsnachweise. Genauere Informationen wie der jeweilige Leistensnachweis bzw. Schein auszusehen hat – beispielweise für das in der neuen Approbationsordnung geforderte klinische Wahlfach – sollte man sich rechtzeitig zu Gemüte führen, denn bereits ein fehlender Stempel oder ein Schreibfehler im Nachnamen kann zu unangenehmen Verzögerungen führen. Meist werden einige Scheine erste nach der Bewerbungsfrist ausgehändigt, wobei diese dann innerhalb einer neuen Frist nachgereicht werden müssen.
Hat man diese Hürde mit Bravour genommen, gilt es nun die vielleicht wichtigste Entscheidung zu treffen: wo soll das PJ absolviert werden? Zur Auswahl stehen die Alma mater, sowie die angeschlossenen Lehrkrankenhäuser – allerdings handelt es sich hierbei lediglich um einen Ortswunsch, die Zuteilung zu einer Ausbildungsstätte erfolgt durch die Universität nach verschiedenen sozialen Kriterien.

Das Praktische Jahr ist auch im Ausland absolvierbar – hierfür muss sich aber der Student selbstständig bewerben. Der jeweilige Fachvertreter an der heimischen Universität muss das ausgewählte PJ-Krankenhaus allerdings absegnen, damit eine vergleichbare Ausbildungsqualität wie an der Heimatuniversität gewährleistet ist.
Zum Auslands-PJ ist folgendes zu sagen: wer den jährlichen Thieme-Bericht zum PJ in Deutschland verfolgt, wird jedes Jahr aufs neue feststellen können, dass diejenigen Studenten, die ihr PJ ausserhalb Deutschlands absolvierten, wesentlich zufriedener und subjektiv der Meinung waren, um einiges mehr als die Kommilitonen in der Heimat gelernt zu haben. Vor allem die Schweiz zeigt sich immer wieder als Paradies für PJ’ler, da man dort gelernt hat, den Studenten nicht als billige Hilfskraft sondern als Mitglied im ärztlichen Team zu sehen und ihn dementsprechend zu behandeln. Gerade das chirurgische Tertial in Deutschland ist oftmals noch unter ferner liefen und damit eine Überlegung zum Kofferpacken wert.

Grundsätzlich müssen zwei Tertiale an einem Ausbildungskrankenhaus absolviert werden.

Wenn der Postmann zweimal klingelt

Die endgültige Reihenfolge der Tertiale und die jeweiligen Ausübungsstätten, werden dem Studenten einige Wochen vor PJ-Beginn schriftlich mitgeteilt. Und damit fängt bei Einigen der Stress erst an: wen das Los in ein abgelegeneres Lehrkrankenhaus verschlagen hat, muss sich nun zügig um eine Wohn- oder Fahrmöglichkeit kümmern. Leider Gottes ist die finanzielle Unterstützung der Studenten nicht immer gewährleistet und so kann es durchaus sein, dass Kommilitone A in Lehrkrankenhaus A freie Kost und Logie, sowie ein üppiges Taschengeld bekommt und man selbst in Lehrkrankenhaus B – bei gleicher Fahrstrecke – leer ausgeht. Manchmal kann ein offenes Gespräch mit dem jeweiligen Chefarzt noch zur Besserung der Situation beitragen – ein Versuch ist es wert.
Falls man einen Tauschpartner findet, können selbstverständlich auch Tertiale getauscht werden.
Weiterhin findet man anbei zur Zuteilung das sogenannte „PJ-Logbuch“. In diesem Buch sind sämtliche Lehrinhalte für das gewählte Tertial, sowie für die Innere Medizin und die Chirurgie enthalten. In jedem Tertial müssen durch praktische Fertigkeiten wie Blutabnahmen, i.v.-Injektionen, Katheteranlagen und ähnliches 100 Punkte gesammelt werden, wobei "schwierigere" Eingriffe schwerer wiegen. Der jeweilige Stationsarzt zeichnet diese Leistungsnachweise ab und sollte auch dazu beitragen, dass die Möglichkeit zu Erlangung gegeben ist.

Es wird ernst..

Am ersten Tag beginnt der Dienstantritt im Vorzimmer des jeweiligen Chefarztes – hier erfährt man zum erstenmal genaueres zum jeweiligen Tertial: Arbeitszeiten, Kleider- und Hausordnung, Rechte und Pflichten, etc. pp. Von Haus zu Haus gibt es unterschiedliche Fachinterne Laufpläne, wann welche Abteilung auf dem Programm steht. Oftmals kann man eigene Wünsche anbringen und den vorgesehenen Laufplan damit abändern. Sobald man sich in den weißen Kittel geworfen hat, kann das PJ beginnen: in der Inneren Medizin wird man sich zuerst um die tägliche Blutabnahme und Patientenaufnahmen kümmern müssen, in der Chirurgie wird man sich alsbald in steriler Umgebung zum Wundhakenhalten wiederfinden und im Wahlfach sich den dortigen Gepflogenheiten anpassen. Die Qualität des PJs ist leider sehr krankenhausabhängig – wer aber Interesses zeigt und darauf pocht, etwas lernen zu wollen, wird die besten Erfolge erzielen!

Emrah Hircin
Arzt/Ärztin
50679 Köln
Deutschland

Flexicon